ich runzelte die Stirn und blickte kurz zum Eingangsbereich.
Die schwarzhaarige Frau hatte es in den Club geschafft und bewegte sich nun in unsere Richtung.
Ich war gespannt, welchen Drink sie ordern würde
"Was hast du denn mit der Frau?"
ich schloss die Augen und versuchte etwas aussergewöhnliches an ihrer Aura zu erkennen, aber da war nichts, was mich stutzig machte
"Sie ist soweit sauber, keine Höllenbewohnerin oder getarnte Jägerin...ja ich weiss, das wäre für dich ein 6er im Lotto..."
die Frau erreichte nun den Bartresen und bestellte
aus Ermangelung an Margheritas musste ich umdisponieren, und während ich so den Barkeeper beim mixen beobachtete, hoffte ich mein Cocktail würde nicht mit irgendwelchen Blutmixturen angereichert werden.
Es war offensichtlich, dass hier häufiger Vampire Getränke bestellten.
Es lag ein leicht metallischer Geruch in der Luft, für Blutsauger sicher ein reiches Bouqet.
Dann fiel mein Blick auf ein seltsames Pärchen ein paar Hocker neben mir.
Er, wieder so ein Schrank von Mann, starrte mich finster an, während seine Begleitung mir ein raubtierhaftes Lächeln zu warf.
Irgendwie kam ich mir plötzlich wie der Hauptgang bei einem Bankett vor.
"Hier ihr Daiquiri, Miss..."
ich nahm meinen Drink und drehte mich zum Geschehen auf der Bühne um. Die Tänzerinnen liessen ihre Pasties gradezu hypnotisch kreisen
"Hey, jeder Mann braucht ne ungesunde Obsession... wobei ich ja eigentlich schon mehr als eine habe...", ich hielt inne als ich die Bestellung der schwarzhaarigen () mitbekam.
"Ok, kein Kainit, das war soweit klar, aber ich verwette meine unsterbliche Seele, daß das auch kein Mensch ist. Was bleibt dann noch?", flüsterte ich Etain zu und widmete mich dann wieder der weiteren Show.
_________________ Möge Gott dir Gnade gewähren - ich kann nicht.
antwortete ich und konnte ein Lachen grade noch unterdrücken
"Frag' sie doch einfach, kann ja sein, dass sie dir sagt, wer oder was sie ist. Aber wenn du sie weiter so angiftest redet sie sicher kein Wort mit dir..."
langsam glaubte ich Angus wollte sich einfach nur an die Frau ranmachen, aber aus Ermangelung an guten Flirtsprüchen versuchte er es nun auf die
"das-muss-sicher-ein-Ungeheuer-sein" Masche
"Du, ich verschwinde mal für eine Weile, habe noch ein Treffen mit dem Prinzen, der ist irgendwie ein wenig nervös in den letzten Tagen.
Scheinbar droht wieder Unheil."
noch so ein Paranoia geplagter Mann.
Ich leerte mein Glas Vitae, klopfte Angus auf die Schulter und verschwand dann Richtung Ausgang, wo ich mit dem Mann zusammen stiess, der eben mit der schwarzhaarigen Frau geredet hatte.
Nur spürte ich bei ihm etwas, dass mich erschauern liess.
Doch bevor ich es greifen konnte, war er aus meinem Blickwinkel verschwunden und ich beschloss dies auch zu tun.
An diesen Ort verzog man sich, wenn man von der Welt genug hatte und alleine sein wollte... oder wenn man die halbe Welt an den Hacken kleben hatte und ein sicheres Versteck suchte.
Irgendwo, einige hundert Meter unter einem gewaltigen Bergmassiv, erstreckte sich eine geheime Basis, bzw. sie wäre geheim, wenn sich der Besitzer der Basis keinen Internetanschluss hätte legen lassen.
Langsam, mit einem Schlurfen und einer gebückten Haltung, bewegte sich eine kleine Gestalt durch die endlosen Gängen und gewaltigen kathedralenartigen Hallen. In der Ferne hallten Gewehrschüsse und Explosionen durch die leeren Räume. Mit jedem Schritt wurden die Geräusche, gefolgt von gelegentlichen Flüchen, lauter. Bis die Figur schließlich vor einem gewaltigen Portal stehenblieb. Mit einem bedrohlichen Ächzen und Stöhnen schwang die Doppeltür auf und gab den Blick auf eines der vielen Gemächer frei.
"Ich muss dringend mehr Sport treiben...", dachte sich der Diener und rieb sich seinen Oberkörper um das leichte Ziehen im Brustkorb loszuwerden, als sein Blick auf seinen Meister fiel, der sich wie üblich mit einem Deathmatchturnier die Zeit vertrieb.
"Meissssster, essss isssst gefunden worden..."
"Jorge, wie oft muss ich dir noch sagen, daß du den Quatsch lassen sollst?", seufzte die Figur vor dem PC auf und ließ dabei frustriert den Kopf hängen.
"Aber Meisssster, dassss...", Jorge räusperte und richtete sich auf während er ein recht zerfleddertes Buch aus einer Tasche fischte, "...das Handbuch für Diener und Gefolgsleute..."
"Ich glaube, du bist der Einzige, der das Buch überhaupt befolgt." "...oder gar besitzt...", unterbrach ihn sein Meister und wandt sich ihm schließlich ganz zu.
"So, es ist also gefunden worden? Wo?", beide hatten die 'Diskussion' über das 'Handbuch' und dessen Ratschläge, wie sich Diener zu geben haben (inklusive Gangart, Sprachfehler und Buckel) schon zu oft geführt und er war es langsam Leid.
"London...", kam die prompte und knappe Antwort.
_________________ Möge Gott dir Gnade gewähren - ich kann nicht.
der Daiquiri war wirklich gut, so gut, dass ich den Alkohol schnell zu spüren bekam, ein leichtes Wärmegefühl machte sich in meinem Magen breit und ich fühlte mich etwas beschwingt.
Vielleicht sollte ich etwas tanzen?
Die Show war vorbei und die Tanzfläche freigegeben, wo sich nun schon einige Tänzer tummelten.
Ich gab mir einen Ruck und ging auf die Tanzfläche, wo ich schnell den richtigen Rythmus fand, hoffentlich kam nur keine langsame Nummer...
Ich warf Etain ein gequältes Lächeln nach als sie verschwand und richtete dann meine Aufmerksamkeit auf die Tanzfläche und den sich dort im Takt der Musik windenden Körper.
Vielleicht sollten wir den Beat etwas erhöhen. Mehr Bewegung, mehr Tänzer gleich mehr verkaufte Getränke gleich mehr Umsa....
"Aaaaargh...", vor meinem geistigen Auge manifestierten sich innerhalb eines Wimpernschlages duzende Möglichkeiten, jemanden schweren Schaden zuzufügen... und alle hatten mit Cedric zu tun.
Ich stieß mich von der Bar ab und betrat kurze Zeit später mein Büro.
Was vermisste die gute alte Zeit, als ich, abgesehen von den gelegentlichen Aufträgen, tun und lassen konnte was ich wollte....
_________________ Möge Gott dir Gnade gewähren - ich kann nicht.
wenige Minuten später tauchte ich vor dem Anwesen des Ventrue-Prinzen auf, ich hatte darauf verzichtet mit dem Auto vorzufahren.
Man liess mich recht zügig ein, mittlerweile war ich dort schon bekannt, bin letzter Zeit ziemlich oft dort ein und aus gegangen.
Der Prinz erwartete mich in seinem Arbeitszimmer, ein Mann mittleren Alters im edlen Zwirn gekleidet, typisch Geschäftsmann.
Diesmal war er aber nervöser als sonst und wanderte vor seinem Schreibtisch auf und ab
"Ich habe sie erwartet, Mrs Ryela. Ich mag es nicht warten zu müssen"
begrüsste er mich und spielte mit seinem Siegelring, während er unaufhörlich weiter auf und ab ging
"Tut mir leid, ich bin so schnell wie möglich her gekommen..."
entgegnete ich ein wenig entschuldigend und setzte mich auf einen angebotenen Sessel
"...was liegt an? Neuigkeiten?"
"Mir ist zu getragen worden, dass man einen Umsturz plant, eine völlige Neustruktuierung der Kainiten-Hierarchie Londons",
antwortete der Prinz, und wurde dabei noch blasser als er eh schon war
"Na, das ist ja mal was völlig Neues, wird hier doch öfters geplant..."
...und doch nie umgesetzt, fügte ich in Gedanken zu
"Diesmal ist es ernst! Meine Leute berichteten von einer Person, die dazu in der Lage wäre meinen Platz einzunehmen und alles an sich zu reissen.
Leider konnte man mir nicht genauer sagen, wer das sein soll, ausser das es niemand aus unserer Gesellschaft ist, und erst vor kurzem wieder in London aufgetaucht ist"
ich seufzte leise
"Und was kann ich nun für Sie tun? Die Beschreibung ist wirklich vage und es kommen täglich X neuen Leute nach London, und damit meine ich nicht normale Menschen..."
der Ventrue, strich sich durch blonde Haar und griff nach einem Cognac-Schwenker mit Vitae
"Es ist ein Mann, soviel ist bekannt, und ich will, dass Sie mit ihren Kontakten herausfinden, wer mich Mich bedroht und ihn herschaffen!"
Wow...ich durfte wieder die Drecksarbeit machen...
William starrte auf dem kleinen Fenster seines Privatjets auf die Landschaft, die unter ihnen vorbeizog. Er hasste... naja, eigentlich mochte er das Fliegen nicht sonderlich und sehnte sich innerlich nach der "guten alten Zeit" zurück, in der man per Kutsche oder hoch zu Ross reiste. Allerdings gab er ohne weiteres zu, daß die modernen Fortbewegungsmittel um längen bequemer (und vor allem schneller) waren. Seine Gedanken wurden von einem leisen Räuspern unterbrochen und er wandt seinen Blick vom Fenster ab.
"Ok, Jorge. Wo befindet es jetzt?"
Seit Jahren war er auf der Suche nach dem einen Artefakt. So lange, daß er schon wieder fast vergessen hatte, was es war und wozu es gut sein sollte. Es sollte einst das Kopfteil des Szepters des Herrschers von Atlantis gewesen sein - zumindest bis zum Untergang dieser Zivilisation. Danach wanderte es für Jahrhunderte durch die Länder des Mittelmeerraumes und verhalf diesen zu Reichtum und Macht, bevor auch diese endgültig untergingen. Es schien, als wäre das Artefakt verflucht, aber davon ließ sich William nicht abschrecken. Er wollte es haben. Koste es, was es wolle.
Jorge zupfte nervös am Ärmel seines Anzuges. Er mochte es noch weniger in einem Flugzeug zu sein, als sein Meister William, aber im Gegensatz zu ihm, konnte er das nicht so gut unterdrücken oder verbergen.
"Im......Londoner Museum..."
"Ich dachte, da hätten wir schon gesucht?", unterbrach ihn William und man konnte Jorge sein Unbehagen ansehen.
"Wir haben wohl einen Flügel übersehen...", murmelte Jorge und angesichts des Blickes, den ihm sein Meister zuwarf, wußte Jorge, daß er kurz davor war das Flugzeug zu verlassen... im Flug... und ohne Fallschirm.
"Sir, wir landen in 15 Minuten. Bitte schnallen sie sich an.", ertönte die Stimme des Piloten durch den Lautsprecher.
"Gerettet durch den Gong!", dachte Jorge, während er schnell zu seinem Platz im hinteren Teil des Flugzeuges huschte.
_________________ Möge Gott dir Gnade gewähren - ich kann nicht.
mürrisch verliess ich das Anwesen des Prinzen, er hatte mich noch einige Zeit beschworen, ihn doch zu beschützen.
Und mit jeder verstrichenen Minute wünschte ich mich wirklich, dass der Ventrue vernichtet würde.
Was ein Waschlappen, jeder Toreador wäre da mutiger!
Ich schickte Angus eine SMS, dass ich zum Londoner Archiv der Assamiten gehen würde, um dort in einigen Unterlagen nach dieser Bedrohung zu suchen, denn irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dort vor Ewigkeiten mal eine Prophezeiung über die Neuordnung der Insel der Engel gelesen zu haben.
In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich damals aber eher an die Rückkehr König Arturs gedacht, was an sich ja abwegig war.
Das würde eine lange Nacht mit vielen Büchern werden...
irgendwann war die gute Musik vorbei und es kamen nur noch hämmernde Bässe aus den Boxen, das war mir dann zuviel, der Alkohol in meinen Adern war auch verpufft, wenigstens konnte ich nun nüchtern nach Hause fahren...länger würde ich hier nicht bleiben.
Ich musste morgen früh raus, es war wieder Zeit für eine Inventur im Museum und dieses Jahr hatte es mich erwischt in den staubigen Regalen rumzukriechen.
Innerlich seufzend verliess ich den Club zügig...
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